VERO Social - Next Big Thing oder Seifenblase?

Man entkommt den Hinweisen nicht. Vero war plötzlich aller Munde. Wie schafft eine Plattform es, aus dem Nichts so einen Start hinzulegen, und hat sie Chance, „the next big thing“ zu werden? Wir fassen die interessantesten Infos über die neue Social Media Plattform zusammen.

Wer und was ist Vero?

Vero gibt es seit 2015. Doch erst seit einer guten Woche ist es in aller Munde. CEO und Gründer der App ist Ayman Hariri, Sohn des ehemaligen libanesischen Prime Minister Rafik Hariri. Er hat direkte Verbindungen zu Saudi Oger, wo er stellvertretender Geschäftsführer und stellvertretender Vorstandsvorsitzender war. Die Firma geriet 2016 in große Kritik, weil Mitarbeiter über Monate hinweg ihren Lohn nicht bezahlt bekamen – das nur so als Randnotiz.

Vero wirbt damit, die neue, werbefreie Social Media Plattform zu sein, die Social in den Vordergrund stellt. Sie sei transparent und userfreundlich, will keine Daten sammeln und arbeitet ohne Algorithmus.

Ein Paradies für Influencer und ihre Follower?

Wie konnte es sich so schnell ausbreiten?

Wunderkerze

Instagram und Twitter wurden quasi über Nacht mit Posts und Stories mit den Hinweisen “Ich bin jetzt auch auf Vero, folgt mir” überflutet. #Vero war Trending Hashtag auf Twitter und ist es immer noch.

Es existiert die Theorie einer großen, versteckten Influencer Kampagne. Das ist aber im Moment reine Spekulation! Der Grund für die Theorie ist naheliegend: Vor allem große, bekannte Accounts haben plötzlich und in Massen verkündet, dass sie die neue App nun „testen“ und ihre Follower sind mitgewandert. Da es die App seit 2015 gibt, ist es verwunderlich, wieso knapp 3 Jahre später dieser Hype entstand und das, obwohl die App momentan mit häufigen Serverausfällen und Bugs zu kämpfen hat. Allerdings wäre eine solche Aktion illegal (#advertise) und würde dem True Social Gedanken von Vero absolut widersprechen.

Der neue Instagram Algorithmus ist ebenfalls ein Grund. Viele User sind frustriert über die Änderungen und froh über die Alternative, die Vero ohne Algorithmus und ohne Werbung bietet.
 

Was kann die Plattform?

Welche Postformate gibt es?

Links, Fotos, Videos, sogar Songs und Bücher, lassen sich relativ einfach über Vero teilen. Man kann auswählen, ob man „empfiehlt“ oder „nicht empfiehlt“, ob man „liest“, „hört“ oder „anschaut“.

Die Postformate werden im Feed in chronologischer Reihenfolge angezeigt und in den eigenen Collections sortiert nach Art. So hat man alle Buchempfehlungen in einem Ordner, alle Links in einem weiteren, usw.

Wer sieht meine Posts?

Man kann einstellen, wer die Posts sehen darf, und zwar bei jedem einzelnen Post. Verbindet man sich mit jemanden, kann man ihn einer Kategorie zuweisen: Enger Freund, Freund, Bekannter. Seine eigenen Posts kann man entweder an eine dieser drei Kategorien ausspielen oder an alle Follower, dann ist der Post komplett öffentlich sichtbar.

Besondere Features?

Es gibt die Möglichkeit, Filme, Serien, Buch- oder Songtitel zu teilen. Der Post verlinkt in den Store, der für das Endgerät des einzelnen Followers relevant ist, also App Store oder Google Play. Das gibt es so bisher auf keiner anderen Social Media Plattform.

Über diese Funktion möchte sich Vero unter anderem refinanzieren. An jedem über ihre Plattform getätigten Einkauf verdienen sie etwas mit.

Es gibt (bisher) keine Werbeanzeigenformate. Alle Posts werden rein organisch und ohne die Hilfe eines Algorithmus ausgespielt.

Für Marken ist aber die „Kaufen“ Option interessant. Man kann sein Produkt mit Foto und Text präsentieren und den Usern die Möglichkeit bieten, direkt über Vero einzukaufen – ohne die Plattform zu verlassen.

Ob die App damit noch „werbefrei“ ist, ist wohl eine philosophische Frage.

Bezahlt sind die Posts nicht, Werbung ist es trotzdem.

Auf Vero kann man aber keine reinen Text-Updates veröffentlichen, man braucht eine visuelle Komponente im Post.

Bisher gibt es auch keine Live-Funktion.

Ist Vero für B2B oder B2C interessant?

Tafel mit Text

Bisher ist Vero noch relativ leer. Erstellt man sich als Firma oder Marke zum aktuellen Zeitpunkt einen Account, ist das eine potenzielle Zukunftsinvestition ohne irgendwelche Garantien.

Schafft man es unter die erste Million User, hat man lebenslang kostenlosen Zugriff auf die App. Das könnte ein Grund sein, sich jetzt zu registrieren und einfach abzuwarten, was aus dieser Social Media Plattform wird. Solange die Zukunft aber noch ungewiss ist und die Zielgruppe extrem überschaubar, empfiehlt es sich nicht, seine Marketingstrategie nun auf die neue Unbekannte auszurichten. (Update: Es sind inzwischen 1 Million User, aber es gibt noch keine konkreten Infos zur bezahlten Version.) 

Verschiedene Funktionen könnten gerade für Lifestyle-Marken interessant sein, es finden sich auch ausgesprochen viele Influencer auf Vero wieder. Doch auch diese müssen sich ihre Communities erst wieder neu aufbauen.

Gehört man zu den ersten auf der App, hat man noch recht leicht die Möglichkeit, einen hohen Prozentsatz der User zu erreichen. Ob diese relevant für die Marke sind, sei dahingestellt.

Wenn man entschieden hat, dass man seine Marketingstrategie auf eine neue Plattform ausweiten möchte, kann man sich einen Account anlegen, um einfach den eigenen Namen zu sichern und anschließend in Ruhe abwarten, wie die App sich entwickelt.

Platzt die Seifenblase?

Bisher ist Vero gratis. Sie werben allerdings damit, dass die erste Million User lebenslang kostenlosen Zugriff auf die App haben werden. Inwiefern sich das ändern wird, sobald die Million erreicht ist, stellt Vero aktuell nicht klar – obwohl sie mit ihrer großen Transparenz werben. Es gibt Hinweise darauf, dass die App in Zukunft ein paar Dollar im Jahr kosten wird.

Eines ist sicher: Eine kostenpflichtige Social Media Plattform muss enorme Vorteile gegenüber den kostenfreien bestehenden Plattformen mit sich bringen. Eine Idee wären exklusive Verträge mit großen Influencern, die nur noch auf Vero aktiv sind, doch das wird vermutlich für die Influencer schnell nach hinten losgehen, wenn ihre Audience nicht mitwandert oder wieder verschwindet. Naheliegender wären innovative USPs, gute Usability, Kundenfreundlichkeit, Werbefreiheit und das, womit sie Werbung machen: True Social. Ob sich das erfüllen lässt, bleibt abzuwarten. 

 

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